Pro Retina Stiftung

Stiftung zur Verhütung von Blindheit

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Förderaktivitäten 2015

von Helma Gusseck

Gemäß dem in der Satzung festgelegten Zweck der Stiftung, die Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Netzhautdegenerationen zu fördern, hat die Stiftung im Jahre 2015 nachfolgende Aktivitäten durchgeführt.

Promotionsstipendium und Projektförderung

1. Neben den noch laufenden Promotionsstipendien aus den Vorjahren wurde am Universitäts-Klinikum Tübingen ein weiteres Promotionsstipendium bei Prof. Dr. Bernd Wissinger bewilligt. Die vor kurzem gefundenen Mutationen in einem Gen (ATF6) wurden als Verursacher der Farbenblindheit identifiziert. Die Achromatopsie ist als eine stationär verlaufende Farbenblindheit mit reduzierter Sehschärfe und Lichtempfindlichkeit bekannt. Thema der geförderten Arbeit ist daher: „Aufklärung der Rolle von ATF6 für die Entwicklung und Funktion von Zapfen- und Stäbchen-Photorezeptoren in der Retina.“
2. An der Universitäts-Augenklinik der RWTH Aachen wurde von Dr. rer. nat. Sandra Johnen und Sabine Diarra, Dipl. Biologin, ein Projekt initiiert, in dem nach Elektrostimulation an der Netzhaut eines Mausmodells die Aktivität der Ganglienzellen durch weitere körpereigene Substanzen, die über ein neuroprotektives Potential verfügen, so moduliert, dass die Effizienz von Retinaimplantaten verbessert werden kann.
3. In dem Projekt von Prof. Dr. Mathias Seeliger des Forschungsinstituts für Augenheilkunde der Universität Tübingen soll ein neues Konzept zur symptomatischen Behandlung von degenerativen Netzhauterkrankungen erarbeitet werden. Bei diesen Erkrankungen kann die Zelle die normale Menge von Proteinen, die speziell für das Außensegment der Photorezeptoren produziert werden, nicht mehr aufnehmen. Der so entstandene Überschuss führt häufig zu einer Degeneration der Photorezeptoren. Das Projekt soll zeigen, dass eine Reduktion der Proteinsynthese zu einer wenn auch nur symptomatischen Therapie von Netzhautdegenerationen führen kann.
4. In dem Projekt von Prof. Dr. Marius Ueffing vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde in Tübingen soll untersucht werden, wie bei den Netzhautdegenerationen der Mechanismus des Zelltods der Photorezeptoren mit den Veränderungen in der Faltung und Sortierung von Proteinen verbunden ist. Ziel des Projektes ist es, Wirkstoffe zu entwickeln, die in Zukunft eine pharmakologische Behandlung von Netzhautdegenerationen möglich machen.

Forschungspreise

Der Retinitis Pigmentosa Forschungspreis 2015 wurde Dr. rer. nat. Karsten Boldt vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen zuerkannt. Durch seine Forschungsarbeiten konnte die Ursache einer Form der Leberschen kongenitalen Amaurose nachgewiesen werden (siehe Bericht in RA 4/2015, Nr. 138, S. 28f.).
Der Makula Forschungspreis 2015 wurde Dr. med. Martin Gliem von der Universitäts-Augenklinik Bonn für zwei miteinander verbundene Publikationen zuerkannt. Ziel der beiden Arbeiten war es, anhand von Modellerkrankungen mit definierter Pathologie der Bruch’schen Membran deren Beitrag zur Altersbedingten Makuladegeneration zu ermitteln (siehe Bericht in RA 4/2015, Nr. 138, S. 28f.).

Stiftungsprofessuren

Seit April 2013 hat Prof. Dr. rer. nat. Antje Grosche aus Leipzig die PRO RETINA-Stiftungsprofessur am Institut für Humangenetik der Universität Regensburg inne. Das wissenschaftliche Arbeiten von Prof. Antje Grosche konzentriert sich auf Fragestellungen rund um die Erforschung der Funktion von Müllerzellen (dem dominierenden Gliazelltyp) in der gesunden und kranken Netzhaut. Müllerzellen ermöglichen das Funktionieren und Überleben von Nervenzellen und Photorezeptoren. Sie reagieren jedoch in unterschiedlicher Weise auf Erkrankungen der Netzhaut: Zum Teil schützen sie die Nervenzellen, zum Teil berauben sie sie jedoch ihrer Schutzfunktionen. Welche Bedeutung diese ambivalente Reaktion der Müllerzellen bei der jeweiligen Erkrankung hat, ist noch weitgehend unverstanden. Derzeit arbeitet Prof. Grosche mit ihrem Team an der Etablierung spezifischer Methoden, um die Veränderungen von Müllerzellen in verschiedenen Krankheitsmodellen (AMD; RP) aufzuklären und somit Ansatzpunkte für gentherapeutische Anwendungen zu identifizieren (siehe auch Bericht in RA 4/2014, Nr. 134, S. 58f.). Seit 2012 ist Prof. Dr. Dr. med. Charbel Issa als Stiftungsprofessor der PRO RETINA-Stiftung zur Verhütung von Blindheit in der Bonner Universitäts-Augenklinik tätig. Zu den wissenschaftlichen Schwerpunkten dieser klinisch ausgerichteten Stiftungsprofessur gehört die Genotypisierung und Genotyp-Phänotyp-Korrelation retinaler Dystrophien. Außerdem ist ein weiterer wichtiger Forschungsschwerpunkt die ABCA4-assoziierte Retinopathie. Zu den Erkrankungen, welche durch ABCA4-Mutationen verursacht werden können, gehören v. a. der relativ häufige Morbus Stargardt und ein großer Anteil der Zapfen-Stäbchen-Dystrophien. Während seiner Zeit in Oxford bestand die Möglichkeit, die Abca4 knock-out Maus – ein Tiermodell für die ABCA4-assoziierte Retinopathie – zu charakterisieren. Hierauf basierend konnten dann verschiedene Therapieansätze untersucht werden, insbesondere ein pharmakologischer Ansatz mit dem Ziel der Verminderung der Lipofuszin-Akkumulation durch deuteriertes Vitamin A, als auch prinzipielle gentherapeutische Ansätze (siehe auch Bericht in RA 1/ 2015, Nr. 135, S. 63f.).

10. Internationales PRO RETINA-Forschungskolloquium in Potsdam

Unter dem Motto „Diagnostische Fortschritte, neue Erkenntnisse molekularer Prozesse und Weiterentwicklung der therapeutischen Ansätze“ tagte Ende März 2015 bereits zum zehnten Mal das internationale PRO RETINA-Forschungskolloquium in Potsdam. Beim bislang größten Treffen stand für die rund 135 anwesenden Wissenschaftler und Mediziner aus Europa und Amerika erneut der interdisziplinäre Austausch zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung im Mittelpunkt. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden drei Arbeiten mit dem „PRO RETINA Poster Award 2015“ ausgezeichnet: Alexander Aslanidis aus Köln, Christin Hanke-Gogokhia aus Potsdam und Johanna Meyer aus Bonn.

Neue Broschüre: „Wir sind ein Team“

Zum Dezember 2015 wurde die neue Broschüre der Stiftung in 10.000 Exemplaren aufgelegt. Sie soll Sponsoren und der Öffentlichkeit einen Eindruck über die Arbeit der Stiftung in den letzten drei Jahren vermitteln.
Die PRO RETINA-Stiftung konnte im Jahr 2015 370.446 € für die Forschung ausgeben. Dank der zahlreichen Spenden konnte auch der enorme Zinsverlust der Stiftung ausgeglichen werden.


Impressionen vom 10ten „Potsdam-Meeting“ der PRO RETINA-Stiftung

Die PRO RETINA Stiftung zur Verhütung von Blindheit veranstaltet seit 10 Jahren das sog. „Potsdam-Meeting“, benannt nach seinem Veranstaltungsort. Auf dieser Tagung berichten auf dem Gebiet der Netzhautdegeneration tätige Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Vorträgen und auf Postern über die neuesten Ergebnisse auf dem Gebiet der Netzhautforschung. Am 27. Und 28. März fand das Meeting zum zehnten Mal statt, wir waren zum vierten Mal dabei.

Etwa 150 Wissenschaftler und Augenärzte und wenige, einer auf diesem wissenschaftlichen Symposium „seltenen Spezies“, Sehbehinderte waren anwesend. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Franz Badura, dem Hauptinitiator und -organisator dieser Symposien.
Der Jubiläumsvortrag von Steven J. Fliesler aus Buffalo über 10 Jahre Forschung auf dem Gebiet der Netzhautdegeneration war gleich zu Beginn ein „Highlight“ des Symposiums. Der Vortrag war nicht, wie befürchtet, durch einen starken „american accent“ unverständlich. Zum Inhalt meinte Helma Gussek, die Vorsitzende des Vorstands der Stiftung, dass dieser exzellente Vortrag einen so guten Überblick über die Forschungsergebnisse der letzten 10 Jahre gibt, dass er eine gute Grundlage für eine neue Stiftungsbroschüre darstellen könnte.
Die folgenden Vorträge ließen die vielen schon erreichten Forschungserfolge Revue passieren. Allerdings wurde von den meisten Referenten betont, „bis zum endgültigen Durchbruch, um die Ergebnisse für die Betroffenen anzuwenden, wird noch viel Zeit ins Land gehen“, außerdem wird deutlich mehr „Manpower“ benötigt und in Deutschland gibt es viel zu wenig Geld für die Forschung. Neidisch kann nur auf die USA geschaut werden, wo, z.B. zwei Privatpersonen mit vielen Mio Dollar ein neues Forschungszentrum für Forschung auf dem Gebiet der Netzhautdegeneration sponsern.
Frage: Was machen die „Reichen“ in Deutschland mit ihrem vielen Geld? Fußballmannschaften sponsern bringt natürlich sehr viel mehr öffentliches Interesse als die Forschung auf dem Gebiet der Netzhautdegeneration zu unterstützen.
Den frühen Abend gestalteten die beiden von der PRO RETINA finanzierten Stiftungsprofessor/Innen Frau A. Grosche und Herr P. Chabel Issa sowie der nach Köln berufene vormalige Stiftungsprofessor Herr T. Langmann. Es war toll zu hören, welch große Erfolge durch das Geld der Stiftung erzielt werden konnten.
Einen sehr wichtigen und wesentlichen Bestandteil des Potsdam-Meetings stellte auch in diesem Jahr die Vorstellung der neuesten Forschungsergebnisse durch junge Wissen¬schaftler auf insgesamt 63 Postern dar. Meistens handelt es sich dabei um Doktoranden, die zum großen Teil von der Stiftung über ein Stipendium gefördert werden oder wurden. Sie waren begierig, ihre Ergebnisse mit den anwesenden Professoren und „Senior-Scientists“ zu diskutieren und zu verteidigen. Dies geschah hauptsächlich auf der am Abend stattfindenden „Swinging Posterparty“. „Daneben“ gab es an diesem Abend tolle Jazzmusik, auch begleitet von Franz Badura mit der Trompete.
Krönung des Abends war für uns ein Gespräch mit zwei jungen Wissenschaftlerinnen, die zum ersten Mal Kontakt mit einer „wirklich“ Betroffenen hatten. Sie haben ihr Studium mit viel Idealismus begonnen. Inzwischen arbeiten sie täglich viele Stunden mit immer ein und demselben Protein, d.h., Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Netzhautdegeneration. Sie kannten den weiteren Zweck ihrer Arbeit bis hin zu den Betroffenen nur vom Hörensagen. Durch den Kontakt mit der seltenen Spezies Betroffener, haben sie ihre Ideale wieder gefunden. Die Vorträge zu den Fortschritten in der Diagnostik fanden am Samstag statt. Zum Abschluss des wissenschaftlichen Teils der Tagung wurde davon berichtet, wie es um die Übertragung der Forschungsergebnisse in die Praxis steht.
Wie so oft, stimmten diese Aussichten teilweise sehr hoffnungsvoll, waren aber immer wieder auch sehr ernüchternd.
Nun gut, Forschung braucht ihre Zeit und ohne Förderung gäbe es in jedem Fall wesentlich weniger Erfolge zu vermelden.


Förderaktivitäten 2014

von Helma Gusseck

Gemäß dem in der Satzung festgelegten Zweck der Stiftung, die Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Netzhautdegenerationen zu fördern, hat die Stiftung im Jahr 2014 die Forschung finanziell mit rund 380.000 € unterstützt. Im Einzelnen sind folgende Forschungsgebiete gefördert worden.

1. Promotionsstipendien

Einer unserer wichtigsten Aufgaben ist die Förderung junger Wissenschaftler. Zu diesem Zweck vergeben wir jährlich einige Promotionsstipendien, die eine Förderung von bis zu drei Jahren gewährleisten. Zu den derzeit laufenden Promotionsstipendien in Köln, Tübingen, Dresden und Regensburg wurden zwei weitere Stipendien an zwei Institute der Universität Regensburg vergeben. Zum Einen werden am Institut für Humangenetik sogenannte iPS-Zellen, d.h. reprogrammierter Stammzellen aus körpereigenen Zellen zum Therapieeinsatz der AMD näher untersucht. Zum Anderen wird am Lehrstuhl für Humananatomie und Embryologie ein neuroprotektives Protein in seiner schützenden und für Photorezeptoren lebenserhaltenden Wirkung untersucht.

2.Forschungsprojekte

In der Technischen Universität Dresden wurden zwei Projekte aus der Grundlagenforschung von der Pro Retina Stiftung unterstützt. Schon seit vielen Jahren wird die Transplantation von Photorezeptoren erprobt. Die bereits erzielten Ergebnisse können bisher beim Patienten noch nicht genutzt werden, da die Anzahl der korrekt integrierten Photorezeptoren noch zu gering ist. Ziel des Dresdener Projekts ist es, die Empfängerumgebung des Transplantats detailliert zu erforschen, um das Überleben und die Integration der transplantierten Photorezeptoren zu erhöhen.
In einem weiteren Projekt der TU Dresden werden zwei Tiermodelle, einerseits eines wirbellosen Tieres sowie eines Säugetieres in ihrer Regenerationsfähigkeit gegenüber gestellt. Daher soll die Regenerationsfähigkeit des Zebrafischs näher untersucht werden, um vielleicht im Mausmodell Indizien für eine mögliche Deaktivierung bestimmter Regenerationsfaktoren zu finden.
Ein weiteres Forschungsprojekt wurde zur Unterstützung der Arbeit unserer Stiftungsprofessorin Prof. Dr. rer. nat. Antje Grosche an der Universität Regensburg hinsichtlich ihres Forschungsschwerpunkts Müllerzellen in der Netzhaut gefördert.

3. Stiftungsprofessuren

Brücke zwischen Hochschulen/ Universitäten und Patienten
Die Pro Retina Stiftung hat seit 2012 zwei Stiftungsprofessuren eingerichtet, die eine aus dem Bereich klinische Forschung in Bonn, die andere aus dem Bereich Grundlagenforschung in Regensburg.
Seit April 2013 wurde die wieder ausgeschriebene Stelle der Stiftungsprofessur in Regensburg nach dem Weggang von Prof. Dr. Thomas Langmann mit Frau Prof. Dr. rer. nat. Antje Grosche aus Leipzig wieder besetzt. Ihr wissenschaftliches konzentriert sich auf Fragestellungen rund um die Erforschung der Funktion von Müllerzellen (dem dominierenden Gliazelltyp) in der gesunden und kranken Netzhaut. Dabei arbeitet Prof. Grosche derzeit an der Etablierung spezifischer Methoden, um die Veränderungen von Müllerzellen in verschiedenen Krankheitsmodellen (AMD, RP) aufzuklären und somit Ansatzpunkte für gentherapeutische Anwendungen zu identifizieren.
Seit 2012 ist Herr Prof. Dr. Dr. med. Charbel Issa als Stiftungsprofessor der PRO RETINA – Stiftung zur Verhütung von Blindheit in der Bonner Universitätsaugenklinik tätig. Zu den wissenschaftlichen Schwerpunkten dieser klinisch ausgerichteten Stiftungsprofessur gehört erstens die Genotypisierung und Genotyp-Phänotyp-Korrelation retinaler Dystrophien. Ein besonderer Forschungsschwerpunkt dabei ist die ABCA4-assoziierte Retinopathie, denn. Mutationen im ABCA4-Gen sind die wahrscheinlich häufigste Ursache für erbliche Netzhauterkrankungen wie bspw. der relativ häufige Morbus Stargardt und ein großer Anteil der Zapfen-Stäbchen-Dystrophien. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass für die ABCA4-assoziierte Retinopathie eine Vielzahl von Therapieansätzen in Entwicklung ist, insbesondere ein pharmakologischer Ansatz mit Ziel der Verminderung der Lipofuszin-Akkumulation, als auch prinzipielle gentherapeutische Ansätze. Als pharmakologischen Ansatz wurde die Wirkung von deuteriertem Vitamin A untersucht. Nähere Ausführungen zu ihren Arbeiten sind in RA Nr. 135 S. 63f. zu finden.

4. Kleinprojekte

Als Kleinprojekte bis zu einer Höhe von 5000€ wurden Projekte aus den Bereichen Stammzellforschung, Retina Implantat sowie Datenbank gefördert. Auch mehrere Reisekostenzuschüsse zum Besuch des internationalen Kongresses ARVO wurden an junge Nachwuchsforscher gegeben.

5. Forschungspreise

Der Retinitis Pigmentosa Forschungspreis 2014 für eine hervorragende Publikation auf dem Gebiet der RP Forschung wurde an Herrn Dr. rer. nat. Marcus Karlstetter, Universität Regensburg auf der Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Leipzig der Retinitis Pigmentosa Forschungspreis 2014 verliehen
Der Makula Forschungspreis 2014 ging an Frau Dr. rer. nat. Barbara Braunger, Universität Regensburg, für zwei hervorragende Publikationen auf dem Gebiet der neuroprotektiven Signalwege in der Netzhaut.

6. Potsdam Meeting

“Netzhautdegeneration – ein Schritt zurück ist ein Schritt vorwärts“ war das Motto des 9. Internationalen PRO RETINA-Forschungskolloquiums in Potsdam.
Im April trafen sich rund 125 Wissenschaftler und Mediziner aus Europa und den USA zum der interdisziplinären Austausch zwischen Grundlagenwissenschaftlern und klinischen Forschern.


PRO RETINA Stiftungsprofessur für degenerative Netzhauterkrankungen

Prof. Dr. Dr. med. Peter Charbel Issa, FEBO Universitäts-Augenklinik Bonn

Zwischenbericht 2012 – 2014

Seit 2012 bin ich als Stiftungsprofessor der PRO RETINA – Stiftung zur Verhütung von Blindheit in der Bonner Universitätsaugenklinik tätig. Mit der Einrichtung dieser Stiftungsprofessur verfolgt die PRO RETINA Stiftung die Absicht, die therapieorientierte Forschung im Bereich der Netzhautdystrophien und degenerativer Makulaerkrankungen an der Universität Bonn zu fördern.
Zu den wissenschaftlichen Schwerpunkten dieser klinisch ausgerichteten Stiftungsprofessur gehört die Phänotypisierung und Genotyp-Phänotyp-Korrelation retinaler Dystrophien. Mit Aufkommen neuer Methoden zur Sequenzierung der DNA (der Methode des sogenannten Next Generation Sequencing) hat sich eine völlig neue Qualität der molekulargenetischen Diagnostik erblicher Netzhauterkrankungen ergeben. In einem Projekt erstellen wir anhand einer größeren Patientengruppe mit Retinitis Pigmentosa das Mutationsspektrum und analysieren unerwartete molekulargenetische Befunde. Ein ähnliches Vorgehen soll in Zukunft auch für Patienten mit Makula- und Zapfen-Stäbchen-Dystrophien durchgeführt werden.
Parallel dazu und als weiterer Schwerpunkt arbeiten wir daran, die Diagnostik insbesondere für Patienten mit Makuladystrophien und diffusen erblichen Netzhauterkrankungen, zu verbessern. So haben wir seit kurzem als erstes Zentrum in Europa die sogenannte „quantitative Autofluoreszenz“ zur Verfügung. Diese neue diagnostische Methode verspricht eine verbesserte Unterscheidung bestimmter Erkrankungs-Verläufe bei Morbus Stargardt und eine bessere Abgrenzung ähnlicher Erkrankungen, welche jedoch eine andere genetische Ursache haben.
Die quantitative Fundus-Autofluoreszenz gibt Auskunft über die Anreicherung von sogenanntem Lipofuszin im retinalen Pigmentephithel, einer für das Überleben von Photorezeptoren wichtigen Zellschicht, die direkt an die Netzhaut angrenzt. Lipofuszin entsteht als nicht weiter abbaubares „Alterungsprodukt“ in vielen Körperzellen und wird teilweise mit alters-assoziierten Erkrankungen in Verbindung gebracht. Die Lipofuszin-Anreicherung im retinalen Pigmentepithel scheint eine Rolle bei unterschiedlichen Makula- und Netzhauterkrankungen zu spielen, beispielsweise bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) als häufigste Ursache für Altersblindheit, als auch bei anderen erblichen Makula- und Netzhautdystrophien (u.a. Morbus Stargardt, Retinitis pigmentosa). Die bisherige Autofluoreszenz-Aufnahmetechnik erlaubte lediglich eine qualitative Beurteilung. Bei der neuartigen quantitativen Autofluoreszenz ist es erstmals möglich, die Signalintensität der Lipofuszin-Fluoreszenz zu messen, welche als Maß für die Menge an Lipofuszin dient.

Forschungsschwerpunkt: ABCA4-assoziierte Retinopathie

Mutationen im ABCA4-Gen sind die wahrscheinlich häufigste Ursache für erbliche Netzhauterkrankungen. Dazu gehören v.a. der relativ häufige Morbus Stargardt und ein großer Anteil der Zapfen-Stäbchen-Dystrophien. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass für die ABCA4-assoziierte Retinopathie eine Vielzahl von Therapieansätzen in Entwicklung ist. Während der Zeit in Oxford hatte ich die Möglichkeit, die Abca4 knock-out Maus – ein Tiermodell für die ABCA4-assoziierte Retinopathie – zu charakterisieren. Hierauf basierend konnten dann verschiedene Therapieansätze untersucht werden – insbesondere ein pharmakologischer Ansatz mit Ziel der Verminderung der Lipofuszin-Akkumulation, als auch prinzipielle gentherapeutische Ansätze. Als pharmakologischer Ansatz wurde die Wirkung von verändertem Vitamin A untersucht (sogenanntes deuteriertes Vitamin A, bei dem lediglich ein Wasserstoff-Atom durch ein Deuterium-Atom ersetzt wurde). Dieses speziell veränderte Vitamin A bildet bei der Verstoffwechselung im Sehzyklus keine giftigen Substanzen. Die (bisher noch nicht publizierten) Ergebnisse im Mausmodel sind vielversprechend und zeigen eine verminderte Anreicherung von Lipofuszin in der Autofluoreszenz, wie auch in biochemischen und histologischen Untersuchungen. Im vergangenen Jahr konnte zudem eine gentherapeutisch ausgerichtete Arbeit publiziert werden, in der neue virale Vektoren in der Abca4 knock-out Maus untersucht wurden.
Im Juli 2014 wurde mir von der Universität Oxford für meine experimentellen Arbeiten zur ABCA4-assoziierten Retinopathie und zu neuen therapeutischen Ansätzen für diese häufigste Form einer monogenetisch bedingten Netzhauterkrankung der Doctor of Philosophy (DPhil) verliehen.
In diesem Rahmen bedanke ich mich sehr herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen der PRO RETINA Stiftung. Die gute Zusammenarbeit mit der PRO RETINA gestaltet sich mittlerweile sehr vielschichtig und erstreckt sich von der parallel zu unserer Spezialsprechstunde laufenden Beratungs-Sprechstunde der PRO RETINA bis hin zum Gedankenaustausch beim Kongress in Potsdam oder im Rahmen des Arbeitskreis ‘Klinische Fragen’. Auch hierfür möchte ich mich herzlich bedanken!


PRO-RETINA-Stiftungsprofessur an der Universität Regensburg

Von Prof. Dr. Antje Grosche

Ende März 2013 erfolgte meine Berufung zur PRO RETINA-Stiftungsprofessorin. Ich begann unmittelbar danach mit dem Aufbau meines Labors am Institut für Humangenetik in Regensburg. Im Folgenden sollen die wich¬tigsten Forschungsschwerpunkte meiner Ar¬beitsgruppe vorgestellt werden.
Interaktion zwischen Nervenzellen und Gliazellen in der gesunden und kranken Netzhaut
Seit meiner Promotion konzentriert sich mein wissenschaftliches Arbeiten auf Fragestellun¬gen rund um die Erforschung der Funktion von Müllerzellen (dem dominierenden Gliazelltyp) in der gesunden und kranken Netzhaut. Mül¬lerglia stellen neben den Nervenzellen eine der wichtigsten Zellarten in der Netzhaut dar. Aufgrund ihrer besonderen Zellform – sie durchspannen die gesamte Dicke der Netz¬haut und bilden hochspezialisierte Zellfort¬sätze – nehmen Müllerzellen funktionell eine zentrale Position in der Netzhaut ein. In den vergangenen Jahren haben wir eine hoch¬sensitive Methode zum Nachweis einer Gluta¬matfreisetzung aus vereinzelten, lebenden Müllerzellen entwickelt. Glutamat ist der wich¬tigste erregende Botenstoff im menschlichen Gehirn und löst durch Bindung an spezifische Rezeptoren verschiedene Reaktionen in Ner¬venzellen aus. Wir konnten zeigen, dass eine Blockade der Glutamatfreisetzung aus Mül¬lerzellen einen schützenden Effekt auf das Überleben der Nervenzellen im geschädigten Gewebe hat. Welche Bedeutung diese Kom¬munikation zwischen Gliazellen und Nerven¬zellen in der gesunden, vor allem aber in der erkrankten Netzhaut hat, ist noch weitgehend unverstanden. Weitere Untersuchungen zu Mechanismen der Glia-Nervenzell-Interaktion werden folgen, um zu überprüfen, ob die ge¬nannten Befunde therapeutisch nutzbar ge¬macht werden können – zum Beispiel indem die Glutamatfreisetzung aus Glia- bzw. Mül¬lerzellen im richtigen Zeitfenster unterbunden wird.
Müllerzellen als ideale Zielzelle für gentherapeutische Ansätze
Die wichtigsten Gliazellen der Netzhaut, die Müllerzellen, reagieren auf jede Form der Netzhautschädigung mit vielen verschiede¬nen Veränderungen ihrer Zelleigenschaften.
Unklar ist, in welchem Maß diese Verände¬rungen der Müllerzellen zum Fortschreiten oder gar zum Auslösen verschiedener Netz¬hauterkrankungen, wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) oder der Reti¬nitis pigmentosa (RP), beitragen. Um die¬se Müllerzellreaktion gezielt modulieren zu können, müssen zunächst zugrunde liegen¬de molekulare Mechanismen aufgeklärt wer¬den. Entsprechend arbeiten wir derzeit an der Etablierung spezifischer Methoden, um die Veränderungen von Müllerzellen in verschie¬denen Krankheitsmodellen (AMD, RP) aufzu¬klären und somit Ansatzpunkte für genthera¬peutische Anwendungen zu identifizieren.
Parallel dazu werden Methoden zur Genthe¬rapie im Labor etabliert. So soll in Kooperati¬on mit einer französischen Arbeitsgruppe der Einsatz eines Müllerzell-spezifischen Ade¬no-assoziierten Virus, wie auch die Möglich¬keiten des Einsatzes von nicht-integrierenden Lentiviren geprüft werden.
Die meisten gentherapeutischen Ansätze fo¬kussieren sich auf eine “Genkorrektur” in di¬rekt betroffenen Zelltypen – in Tiermodellen für Retinitis pigmentosa sind das die Photo¬rezeptoren. Die Korrektur der mutierten Gene hat bereits zu Erfolgen geführt, so dass erste Tests für die klinische Anwendung bei einigen Netzhautdystrophien durchgeführt werden.
Da die Retinitis pigmentosa eine Erkrankung ist, bei der bei 30 bis 35 Prozent der Betrof¬fenen noch keine ursächliche Mutation ge¬funden werden konnte, scheint es ebenso interessant, nicht direkt das defekte Gen zu reparieren, sondern durch Absicherung einer protektiven Umgebung (zum Beispiel durch Überexpression von geeigneten Faktoren in Müllerzellen) das Absterben der Photore¬zeptoren zu verlangsamen bzw. aufzuhalten. Auch die Tatsache, dass Müllerzellen auf¬grund ihrer besonderen Morphologie hervor¬ragend zugänglich für die in der Gentherapie zum Einsatz kommenden Viren sind, verdeut¬licht, dass Müllerzellen die optimalen Zielzel¬len für gentherapeutische Ansätze sein könn¬ten.
Ziel dieses Projektes wird somit zum einen die Identifizierung potenzieller Kandidatengene und zum anderen die Schaffung der metho¬dischen Voraussetzung für deren Modulation in Müllerzellen mittels Gentherapie sein. Die so erhobenen Daten sollen den Weg für die Etablierung neuer therapeutischer Ansätze für AMD oder Retinitis pigmentosa maßgeb¬lich voranbringen.
Zum Abschluss möchte ich darauf hinweisen, dass die PRO RETINA-Stiftungsprofessur eine hervorragende Plattform für eine Zusam¬menarbeit zwischen wissenschaftlicher Ex¬pertise und patientenorientierter Forschung bietet.
Gerade die im Juni 2014 gewährte Anschub¬finanzierung meines Projekts durch die PRO RETINA-Stiftung konnte meine Forschungs¬arbeit wesentlich unterstützen, wofür ich mei¬nen herzlichen Dank aussprechen möchte.
Spenden zur weiteren Forschungsförderung an die PRO RETINA-Stiftung sind erwünscht.


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