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Presse-Mitteilung 13. Juli 2012 (Nr. 3)

Update Altersabhängige Makula-Degeneration: Blick in die Pipeline

Zahl der Neuerblindungen sinkt / Behandlungsergebnisse in Deutschland könnten besser sein / Suche nach Therapien gegen die trockene Form der AMD

(Hamburg, 13. Juli 2012) Die Behandlung der feuchten Form der Altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD) mit sogenannten VEGF-Hemmern lässt aktuellen Studien zufolge die Zahl der Neuerblindungen in einigen Ländern sinken. In Deutschland bleiben die Behandlungsergebnisse in der Praxis jedoch hinter den Möglichkeiten zurück. Auf dem 17. Weltkongress der Selbsthilfeorganisation RETINA INTERNATIONAL geht es darüber hinaus auch um Strategien gegen die trockene Form der AMD, für die es bislang noch keine wirksame Behandlung gibt.

„Die“ Altersabhängige Makula-Degeneration gibt es nicht. Vielmehr ist die Erkrankung, bei der die Stelle des schärfsten Sehens in der Netzhaut (Makula) betroffen ist, ausgesprochen vielgestaltig. Sowohl bei der frühen Form der trockenen AMD, die durch „Drusen“ genannte Ablagerungen gekennzeichnet ist, als auch bei der späten Form der trockenen AMD, der geographischen Atrophie, können die Augenärzte inzwischen verschiedene Unterformen unterscheiden. Genetische Unterschiede spielen dabei eine Rolle.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler 19 Abschnitte im Erbgut identifiziert, die das AMD-Risiko beeinflussen. Dazu gehören etwa Gene, die im sogenannten Komplementsystem eine Rolle spielen, der ersten Abwehrfront des angeborenen Immunsystems gegen Krankheitserreger. Dieses ist bei AMD-Patienten überaktiv. Auch Gene, die den Cholesterin- und Fettstoffwechsel steuern, haben Auswirkungen auf die Entstehung der Augenerkrankung. Unlängst entdeckte eine Forschergruppe, dass bei einer Unterform der AMD auch ein mutiertes Gen (ABCA4) beteiligt ist, das die erbliche Makula-Degeneration (Morbus Stargardt) verursacht.

Die genetischen Unterschiede sowie Lebensstilfaktoren, insbesondere das Rauchen, beeinflussen auch das Risiko, dass die trockene in die feuchte Form der AMD übergeht. In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise 50.000 zumeist ältere Patienten an dieser Form der AMD. In westlichen Industrienationen ist die Erkrankung die häufigste Ursache für Erblindungen.

Wirksame Therapien gegen die feuchte AMD sind verfügbar. Im Gegensatz zur trockenen Form der AMD, die langsam voranschreitet, ist die feuchte Form schwerwiegender. Ausgehend von der trockenen Form wachsen bei der feuchten Form der AMD Blutgefäße aus der Aderhaut unter die Netzhaut, aus denen Flüssigkeit und Blut austritt. Die zentrale Sehschärfe verschlechtert sich dadurch binnen kürzester Zeit. Da kurz VEGF genannte Signalmoleküle das Wachstum der Blutgefäße anregen, können VEGF-Hemmstoffe, die in den Augapfel gespritzt werden, das Fortschreiten des Sehverlustes stoppen und die Sehfähigkeit oft sogar verbessern. Zwei VEGF-Hemmer (Pegaptanib und Ranibizumab) sind bereits seit 2006 bzw. 2007 zugelassen, wobei die Fachgesellschaften Ranibizumab als Mittel der ersten Wahl einstufen. Ein dritter VEGF-Hemmer (Aflibercept) wird in den nächsten Monaten folgen. Ebenfalls eingesetzt wird der – für diese Indikation allerdings nicht zugelassene – VEGF-Hemmer Bevazizumab.

Schlechtere Therapie-Ergebnisse unter Praxisbedingungen. Die Therapie mit VEGF-Hemmern kann die Zahl der Neuerblindungen reduzieren. Das belegen neue Untersuchungen aus Dänemark und Israel. In Deutschland bleiben die Therapie-Ergebnisse unter Realbedingungen allerdings hinter den Resultaten kontrollierter Studien mit dem Wirkstoff Ranibizumab zurück. Das belegt die aktuelle Studie einer Wissenschaftlergruppe um Professor Frank G. Holz von der Universitätsaugenklinik Bonn mit 3470 Patienten, die in 274 Zentren entsprechend den hierzulande etablierten Empfehlungen behandelt wurden. Diese Empfehlungen sehen nach einer dreimonatigen Startphase mit monatlichen Injektionen eine Erhaltungsphase vor, bei der das Medikament nur dann gespritzt wird, wenn die Sehschärfe erneut abnimmt oder es Anhaltspunkte für das erneute Aufflackern der Erkrankung gibt. Wie die Analyse ergab, konnte die Sehkraft unter Praxisbedingungen zwar zunächst verbessert werden, sank jedoch im Verlauf des Jahres auf den Ausgangswert zu Beginn der Therapie ab. Eine laxere Kontrolle des Erkrankungsverlaufes dürfte eine der Ursachen für die schwächeren Therapieergebnisse sein, vermuten die Forscher.

Gesucht: Kombi-Therapien. Mit den VEGF-Hemmern ist die Entwicklung noch keineswegs zu Ende. „Zusammen mit der feuchten Form der AMD kommt stets auch die Spätform der trockenen AMD“, sagt Professor Holz, „für die es bislang keine wirksame Therapie gibt. Wir brauchen Kombitherapien, die sich gegen beide Formen der AMD richten.“ Bei der trockenen AMD reichert sich Stoffwechselmüll aus dem visuellen Zyklus in der Netzhaut an. Ein Bestandteil davon ist Lipofuszin. Diese Substanz wirkt toxisch und schädigt die Zellen in der Netzhaut. Verschiedene Wirkstoffe, die den visuellen Zyklus und damit die Anreicherung von Lipofuszin beeinflussen, befinden sich inzwischen in der klinischen Prüfung. Auch Substanzen, welche das Komplementsystem beeinflussen, werden erforscht.

Auf dem Kongress von RETINA INTERNATIONAL werden auch Studienergebnisse mit dem Wachstumsfaktor CNTF (Ciliary Neurotrophic Factor) präsentiert. Produziert wird dieser von Zellen, die – in einem Implantat verpackt – in das Auge eingesetzt werden. Getestet werden Sicherheit und Wirksamkeit dieser Therapie nicht nur bei der späten Form der AMD, sondern auch bei der erblichen Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa. Die Behandlung verdickt
die Schicht der Photorezeptoren in der Retina. Bei den AMD-Patienten wurde die Sehfähigkeit stabilisiert. Erprobt wird diese Behandlung, wie Professor Holz berichtet, demnächst auch im Rahmen einer Phase II-Studie bei einer anderen Makula-Erkrankung, der sogenannten Makulären Teleangiektasie. Bei dieser Erkrankung erweitern sich die dünnen Blutgefäße, welche die Sehgrube („Fovea“) in der Makula umgeben.

Stammzelltherapien noch im Experimentierstadium. Geht es um Stammzelltherapien gegen AMD ist Professor Holz sehr zurückhaltend. „Die Untersuchungen befinden sich noch im Experimentierstadium, getestet werden beispielsweise induzierbare pluripotente Stammzellen in Tiermodellen.“ Doch ist es noch ein weiter Weg bis die Wirksamkeit von Stammzellen an Patienten unersucht werden können.

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